Gebete - bunt gemischt
  1. Gebete - bunt gemischt
  2. Gebet des älter werdenden Menschen (Theresia von Avila)
  3. Friedensgebet (nach Franz von Assisi)

Gebet des älter werdenden Menschen

Oh Herr, Du weißt besser als ich, dass ich von Tag
zu Tag älter und eines Tages alt sein werde.

Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit
und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.

Erlöse mich von der großen Leidenschaft,
die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.

Lehre mich, nachdenklich (aber nicht grüblerisch),
hilfreich (aber nicht diktatorisch) zu sein.

Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit
erscheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben.
Aber Du verstehst - oh Herr - dass
ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.

Bewahre mich vor der Aufzählung endloser
Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, 
zum Wesentlichen zu gelangen.

Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und
Beschwerden. Sie nehmen zu - und die Lust, 
sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.

Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, 
mir  Krankheitsschilderungen anderer 
mit Freude anzuhören, aber lehre mich, 
sie geduldig  zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit, 
dass  ich mich irren kann.

Erhalte mich so liebenswert wie möglich. 
Ich möchte kein Heiliger sein, mit ihnen lebt 
es  sich so schwer, aber ein alter Griesgram 
ist  das Krönungswerk des Teufels.

Lehre mich, an anderen Menschen 
unerwartete Talente zu entdecken und 
verleihe mir, oh Herr, die schöne Gabe, 
sie auch zu erwähnen.

                                               Theresia von Avila


Friedensgebet

Oh Herr Mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, da, wo Streit ist,
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
dass ich den Glaube bringe, wo der Zweifel drückt,
dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten:
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn, wer da hingibt, der empfängt:
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben.

Souvenir Normad, 1912, dem Hl. Franziskus zugeschrieben