Zum Nachdenken (2)

  1. ZUM NACHDENKEN - Teil 2
  2. "Von dem König, der Gott sehen wollte ..." (Leo Tolstoi)
  3. "Besuch des Herrn"
  4. Dankbrief
  5. Ostern I (E.Matl)
  6. Osterweg (E.Matl)
  7. Ostern II (E.Matl)
  8. Neujahrsgebet (Pfarrer von St, Lamberti in Münster, 1883)
  9. Endlich Einer (aus der Nikolai-Kirche in Leipzig)
  10. Das Kreuz durchkreuzt (Lothar Zenetti)
  11. Trotzdem (Sel. Mutter Theresa)
  12. Die Kunst der kleinen Schritte (Antoine de Saint-Exupéry)
  13. Nimm dir Zeit (Irisches Gebet)
  14. Spuren im Sand (Margaret Fishback Powers)
  15. Zwölf Gründe, in der Kirche zu sein
 Fortsetzung: --- Zum Nachdenken - Teil 3 ---

  

"Von dem König, der Gott sehen wollte ..."
(Leo Tolstoi)

 

Da gab es einen Herrscher, der viel erlebt hatte. Nun wollte er unbedingt auch Gott sehen. Und weil er ein absoluter Herrscher war, so befahl er seinen Priestern und Weisen, hm innerhalb einer bestimmten Frist diesen Wunsch zu erfüllen.

Natürlich konnte das keiner. Und schon war man traurig über die Strafe, die der König aussprechen würde. Da kam ein Hirte vom Felde, der von des Königs Befehl gehört hatte, und sagte:"Erlaube mir, König, deinen Wunsch zu erfüllen!" - "Gut", entgegnete der König,"aber bedenke, es geht um deinen Kopf."

Der Hirte führte den König auf einen freien Platz und zeigte ihm die Sonne. "Sieh hin", sagte er. Der König hob seine Augen und wollte die Sonne sehen. Aber der Glanz blendete ihn, und er senkte den Kopf und schloss die Augen. "Willst du, dass ich erblinde?" sagte er zu dem Hirten. "Aber, König, das ist doch nur ein Ding der Schöpfung, ein schwacher Abglanz der Grösse Gottes, ein kleines Fünklein eines flammenden Feuers. Wie willst du mit deinen schwachen, tränenden Augen Gott sehen ? Suche ihn mit anderen Augen."

Der Einfall gefiel dem König. Er sagte zu dem Hirten:"Ich erkenne deinen Geist und sehe die Grösse deiner Seele. Antworte nun: Was war vor Gott?" Nach einigem Nachdenken sagte der Hirte:"Sei nicht zornig wegen meiner Bitte, König, aber zähle !..." Der König begann:"Eins, zwei..." - "Nein", unterbrach ihn der Hirte," nicht so, fang mit dem an, was vor Eins kommt!" - "Wie kann ich denn? Vor eins gibt es doch nichts." - "Sehr weise gesprochen, Herr ! Auch vor Gott gibt es nichts."

Diese Antwort gefiel dem König noch besser als die vorhergehende. "Ich werde dich reich beschenken; vorher aber antworte noch auf die dritte Frage. Was macht Gott?". der Hirte sah, daß des Königs Herz weich geworden war. "Gut", sagte er, "auch darauf will ich dir antworten. Nur um eines bitte ich dich: Lass uns die Kleider für kurze Zeit tauschen." Und sie tauschten die Kleider. Und der Hirte sagte:"das macht Gott: Er stieg vom Thron seiner Erhabenheit und wird einer von uns. er gibt uns, was er hat, und nimmt an, was wir haben und sind......."

Leo Tolstoi         

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"Besuch des Herrn"

Ein Mann erfuhr, daß Gott zu ihm kommen wollte. "Zu mir?", schrie er. "In mein Haus?".

Er rannte durch alle Zimmer, er lief die Stiegen auf und ab, er kletterte zum Dachboden hinauf, er stieg in den Keller hinunter. Er sah sein haus mit anderen Augen.

"Unmöglich!" schrie er. "In diesem Sauhaufen kann man keinen Besuch empfangen. Alles verdreckt. Alles voller Gerümpel. Kein Platz zum Ausruhen. Keine Luft zum Atmen." Er riß Fenster und Türen auf. "Brüder! Freunde" rief er. "Helft mir Aufräumen - Irgendeiner! Aber schnell"

Er begann sein Haus zu kehren. Durch die dicke Staubwolken sah er, daß ihm einer zu Hilfe gekommen war.

Sie schleppten das Gerümpel vors Haus, schlugen es klein und verbrannten es. Sie schrubbten die Stiegen und Böden. Sie brauchten viele Kübel Wasser, um die Fenster zu putzen. Und immer noch klebte der dreck an allen Ecken und Enden.

"Das schaffen wir nie!" schnaufte der Mann.

"Das schaffen wir!" sagte der andere.

Sie plagten sich den ganzen Tag. Als es Abend geworden war, gingen sie in die Küche und deckten den Tisch. "So" sagte der AMnn, "jetzt kann er kommen, mein Besuch!" Jetzt kann Gott kommen. Wo er nur bleibt?".

"Aber ich bin ja da!" sagte der andere und setzte sich an den Tisch. "Komm und iß mit mir!"

Aus der Zeitschrift "Weite Welt", Dez. ´83         

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Dankbrief

 

Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben –
   Sie haben meine Phantasie beflügelt.

Ich danke allen, die mich in ihr Schema pressen wollten –
   Sie haben mich den Wert der Freiheit gelehrt.

Ich danke allen, die mich belogen haben –
   Sie haben mir die Kraft der Wahrheit gezeigt.

Ich danke allen, die nicht an mich geglaubt haben –
   Sie haben mir zugemutet, Berge zu versetzen.

Ich danke allen, die mich abgeschrieben haben –
   Sie haben meinen Trotz geschürt.

Ich danke allen, die mich verlassen haben –
   Sie haben mir Raum gegeben für Neues.

Ich danke allen, die mich verraten und mißbraucht haben –
   Sie haben mich wachsam werden lassen.

Ich danke allen, die meinen Frieden gestört haben –
    Sie haben mich stark gemacht, dafür einzutreten.

Ich danke allen, die mich verwirrt haben –
   Sie haben mir meinen Standpunkt klargemacht.

Vor allem aber danke ich allen, die mich lieben, so wie ich bin.
   Sie geben mir die Kraft zum Leben!

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Ostern I

Man trägt Weidenkätzchen zur Palmweihe auf den Henriettenplatz,
man geht Station um Station den Kreuzweg in Gumpoldskirchen und in der Pfarrkirche,
man entblößt die Füße für den Liebesdienst beim Letzten Abendmahl am Gründonnerstag,
man gedenkt der Sterbestunde Jesu am Karfreitag,
man zieht hinaus durch Reindorfs Straßen im Zuge der Osternachtprozession,
man läßt seine Ostereier und Osterpinzen am Ostertag weihen ....

Werden wir auch in Reindorfs Häusern und Straßen ausrufen:
Halleluja! Der Heiland ist  für EUCH auferstanden!

Christus lebt!

Erwin Matl        

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Osterweg

Leben siegt über Tod

Wahrheit siegt über Lüge

Gerechtigkeit siegt über Unrecht

Liebe siegt über Haß

Vergebung siegt über Sünde

Auferstehung siegt über Kreuz !

Erwin Matl        

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Ostern II

Ostern bedeutet mehr als einige arbeitsfreie Tage
Ostern bedeutet mehr als Ostereier suchen
Ostern bedeutet mehr als das Fasten zu beenden
Ostern bedeutet mehr als Osterschinken und Osterlamm

Ostern bedeutet auch mehr als Osterkerze und Osterfeier
Ostern bedeutet auch mehr als mehrere Tage Osterliturgie
Ostern bedeutet auch mehr als die Osterbotschaft des Papstes

Ostern heißt der Hoffnungslosigkeit des Lebens plötzlich einen Sinn gegeben
Ostern heißt den Tod als Neubeginn eines neuen Lebens sehen
Ostern heißt heute und morgen für immer auferstehen

Erwin Matl        

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Neujahrsgebet

Herr, setze dem Überfluss Grenzen
und lasse die Grenzen überflüssig werden.

Lasse die Leute kein falsches Geld machen
aber auch das Geld keine falschen Leute.

Nimm den Ehefrauen das letzte Wort
und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.

Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.

Bessere solche Beamten, Geschäfts- und Arbeitsleute,
die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.

Gib den Regierenden ein besseres Deutsch
und den Deutschen eine bessere Regierung.

Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen.
Aber nicht sofort.


Neujahrswünsche des Pfarrers von St. Lamberti in Münster 1883              

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Endlich Einer

Denn mit Jesus war EINER da, der sagte:
Selig sind die Armen!
Und nicht: Wer Geld hat, ist glücklich.

Endlich EINER, der sagte:
Liebe deine Feinde!
Und nicht: nieder mit dem Gegner!

Endliche EINER, der sagte:
Erste werden letzte sein!
Und nicht: es bleibt alles beim Alten!

Endlich EINER, der sagte:
Wer sein Leben einsetzt und verliert,
/der wird es gewinnen!
Und nicht: seid schön vorsichtig!

Endlich EINER, der sagte:
Ihr seid das Salz!
Und nicht: Ihr seid die Creme.

Endlich EINER, der starb,
wie ER lebte.

"Endlich Einer" aus der Nikolai-Kirche in Leipzig          

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Das Kreuz durchkreuzt

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen
was keiner sagt, das sagt heraus
was keiner denkt, das wagt zu denken
was keiner anfängt, das führt aus

Wenn keiner ja sagt, sagt doch ja
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein
wenn alle zweifeln, wagt zu glauben
wenn alle mittun, steht allein

Wo alle loben, habt Bedenken
wo alle spotten, spottet nicht
wo alle geizen, wagt zu schenken
wo alles dunkel ist, macht Licht

Das Kreuz des Jesus Christus
durchkreuzt was ist
und macht alles neu 

                                          Lothar Zenetti

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Trotzdem

Die Leute sind unvernünftig, unlogisch und selbstbezogen,
liebe sie trotzdem.

Wenn du Gutes tust, werden sie dir egoistische Motive und Hintergedanken vorwerden,
tue trotzdem Gutes.

Wenn du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde und echte Feinde,
sei trotzdem erfolgreich.

Das Gute, das du tust, wird morgen vergessen sein,
tue trotzdem Gutes.

Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar,
sei trotzdem ehrlich und offen.

Was du in jahrelanger Arbeit aufgebaut hast, kann über Nacht zerstört werden,
baue trotzdem.

Deine Hilfe wird wirklich gebraucht, aber die Leute greifen dich vielleicht an, wenn du ihnen hilfst,
hilf ihnen trotzdem.

Gib der Welt dein Bestes, und sie schlagen dir die Zähne aus,
gib der Welt trotzdem dein Bestes.

Mutter Theresa         

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Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen Herr,
sondern um die Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!

Mach mich findig und erfinderisch,
um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechzeitig
meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren,
von denen ich besonders getroffen und betroffen bin.

Mach mich griffsicher, in der richtigen Zeiteinteilung.
Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden,
was erstrangig und was zweitrangig ist.
Lass mich erkennen, dass Träumereien nicht weiterhelfen,
weder über die Vergangenheit, noch über die Zukunft.
Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun
und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.

Bewahre mich vor dem naiven Glauben,
es müsste im Leben alles glatt gehen.
Schenke mir die nüchterne Erkenntnis,
dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge und Rückschläge
eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind,
durch die wir wachsen und reifen.

Gib mir das tägliche Brot für Leib und Seele,
eine Geste deiner Liebe, ein freundliches Echo,
und hin und wieder das Erlebnis, dass ich gebraucht werde.

Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen,
dass man nichts tut.
Gib mir, dass ich warten kann.

Ich möchte Dich und die anderen immer aussprechen lassen.
Das wichtigste sagt man nicht selbst, es wird einem gesagt.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen.
Gib dass ich diesem schönsten, schwierigsten,
riskantesten und zartesten Geschäft des Lebens gewachsen bin.

Verleihe mir die nötigste Fantasie, im rechten Augenblick
ein Päckchen Güte- mit oder ohne Worte -
an der richtigen Stelle abzugeben.
Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff im Tiefgang gleicht,
um auch die zu erreichen, die unten sind.

Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.

Gib mir nichts, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte ! 
Antoine de Saint-Exupéry                
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Nimm dir Zeit!

Nimm dir Zeit zum Arbeiten - 
es ist der Preis des Erfolges.
Nimm dir Zeit zum Denken - 
es ist die Quelle der Kraft.
Nimm dir Zeit zum Spielen - 
es ist das Geheimnis ewiger Jugend.
Nimm dir Zeit zum Lesen - 
es ist der Brunnen der Weisheit.
Nimm dir Zeit freundlich zu sein - 
es ist der Weg zum Glück.
Nimm dir Zeit zum Träumen - 
es bringt dich den Sternen näher.
Nimm dir Zeit zu lieben und geliebt zu werden -
es ist das Privileg der Götter.
Nimm dir Zeit dich umzuschauen -
der Tag ist zu kurz, um selbstsüchtig zu sein.
Nimm dir Zeit zum Lachen - 
es ist die Musik der Seele.
                                                                       Irisches Gebet 
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Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ein Mensch einen Traum;
er träumte, er ginge den Strand entlang mit Gott,
über den Himmel hin leuchteten die Szenen aus seinem Leben auf,
für jede der Szenen bemerkte er im Sand zwei Fußspuren:
die eine gehörte ihm selbst, die andere zu Gott.
Als die letzte Szene vor ihm aufgeleuchtet war,
blickte er zurück auf die Fußspuren und bemerkte,
dass lange Zeit den Weg nur ein Paar Spuren im Sand zu sehen waren.
Er bemerkte auch, dass dies geschehen war
während der schwersten und traurigsten Zeit seines Lebens.
Dies machte ihm ernstlich Kopfzerbrechen und er fragte Gott:
Herr, Du sagtest, als ich mich entschied, Dir zu folgen,
Du würdest den ganzen Weg mitgehen.
Aber ich bemerkte, dass während der schlimmsten Zeit meines Lebens
nur ein Paar Spuren da waren.
Ich verstehe nicht, dass - als ich Dich am meisten brauchte -
Du mich verlassen hast.
Gott antwortete: Mein kostbares Kind,
ich liebe Dich und wollte Dich niemals verlassen.
Während Deiner Zeit voller Last und Leiden,
als Du nur ein Paar Spuren sahst,
da war es so, dass ich Dich getragen habe!
                                  Margaret Fishback Powers
                                  Copyright (c) 1964 Margaret Fishback Powers
                                  Copyright (c) der deutschen Übersetzung 1996 Brunnen Verlag Gießen (www.brunnen.verlag.de)

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Zwölf Gründe, in der Kirche zu sein

  1. Im christlichen Glauben bewahrt die Kirche eine Wahrheit, die Menschen sich selbst nicht sagen können.
  2. In der Kirche wird die menschliche Sehnsucht nach Segen gehört und beantwortet.
  3. Die Kirche begleitet Menschen von der Geburt bis zum Tod. Das stärkt auf geheimnisvolle Weise.
  4. In der Kirche können die Menschen an einer Hoffnung auf Gott teilhaben, die über den Tod hinausreicht.
  5. Die Kirche ist ein Ort der Ruhe und Besinnung. Unsere Gesellschaft ist gut beraten, wenn sie solche Orte pflegt.
  6. In der Kirche treten Menschen mit Gebeten und Gottesdiensten für anderen ein. Sie tun das auch stellvertretend für die Gesellschaft. 
  7. Die kirchlichen Sonn- und Feiertage mit ihren Themen, ihrer Musik und ihrer Atmosphäre prägen das Jahr. Die Kirche setzt sich dafür ein, diese Tage zu erhalten.
  8. In Seelsorge und Beratung der Kirche wird der ganze Mensch ernst genommen.
  9. In Krankenhäusern und anderen Einrichtungen der Kirche schaffen viele haupt- und ehrenamtlich Engagierte ein besonderes, menschenfreundliches Klima.
  10. Wer die Kirche unterstützt, übt Solidarität mit den Schwachen. 
  11. Kirchliche Musik und Kunst sind bis heute prägende Kräfte unserer Kultur.
  12. Wo immer Menschen hinkommen oder hinziehen, treffen sie auf die weltweite christliche Gemeinschaft. Dazu kann jede und jeder beitragen.

Quelle: unbekannt (Verlag Norman Rentrop http://www.normanrentrop.de)

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