Pfarre Reindorf
Reindorfer Geschichten, Teil 2 PDF Drucken E-Mail
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Die Reindorfer Pfarrschule

Als man im Frühjahr 1787 mit dem Bau der Reindorfkirche begonnen hatte, mussten daneben sozusagen „im Paket“ auch der ebenerdige Pfarrhof sowie eine Pfarrschule errichtet werden.

1774 wurde nämlich das Gesetz zur allgemeinen Schulpflicht von Kaiserin Maria Theresia unterzeichnet, zunächst aber kaum beachtet. Nach wie vor besuchten nur wenige Kinder die Schule. Dabei spielte nicht nur eine Rolle, dass es vielen Eltern schwerfiel, das wöchentliche Schulgeld aufzubringen. Noch wichtiger war wohl, dass die Kinder als Arbeitskräfte benötigt wurden, entweder in der eigenen Landwirtschaft oder als billige Arbeitskräfte in den Fabriken und Handwerksbetrieben mit einer täglichen Arbeitszeit von zehn bis zwölf Stunden.
So standen auf dem Gebiet des heutigen 15. Bezirks zunächst zwei Schulen (auf den heutigen Grundstücken Kellinggasse 8 sowie Clementinengasse 27). Es waren die sogenannten Trivialschulen, in denen die Kinder vor allem Religionsunterricht erhielten und außerdem notdürftig Lesen und Schreiben, sowie die vier Grundrechnungsarten erlernten.
Die Eltern, die ihr Kind in eine solche Schule schickten, mussten wöchentlich ein Schulgeld von einem Kreuzer bezahlen (ab 1808 drei Kreuzer). Ein Kreuzer entsprach um 1800 etwa dem Preis für sechs Eier oder zwei Liter Milch, was sich viele Familien nicht leisten konnten. Da von diesem Schulgeld auch das Gehalt des Lehrers bezahlt wurde, waren diese genötigt, die paar Kreuzer notfalls einzutreiben. Das war dem Kontakt zwischen Lehrer und Schule nicht gerade dienlich.1788 wurde, um die Schulbesuchsquote zu heben, beschlossen, die Allerärmsten von der Bezahlung des Schulgeldes zu befreien. In den Gemeinden unseres Bezirkes gehörten etwa 60 Prozent der Familien zu dieser Kategorie.
Da der Lehrer Simon Westermayer im Jahr 1788 sein Amt zurücklegte, wurde „seine“ Schule in der Kellinggasse geschlossen. 1789 schloss auch die Schule in der Clementinengasse. Der dortige Direktor Andreas Bauer wurde zum neuen Leiter der Reindorfer Pfarrschule. Diese wurde 1789 im Privathaus neben dem Reindorfer Pfarrhof in der Reindorfgasse eingerichtet.
Im Eröffnungsjahr waren 100 Mädchen und 81 Buben der fünf Gemeinden Braunhirschen, Reindorf, Fünfhaus, Sechshaus und Rustendorf schulpflichtig. Nur etwa die Hälfte von ihnen besuchte die Schule regelmäßig, da sich die Behörden weiterhin nicht um die Befolgung der Schulpflicht kümmerten (1801 waren in den fünf Dörfern schon 305 schulpflichtige Kinder registriert, von denen aber nur 140 die Schule besuchten).
Aus den Schulgeldern, die er eintreiben musste, erhielt der Lehrer 13 Kreuzer täglich als Gehalt. Er war außerdem verpflichtet, als Mesner in der Kirche zu arbeiten, wofür er jährlich 40 Gulden bekam. Ab 1808 erhielt der Lehrer nun zusätzlich am Winterbeginn 40 Kreuzer Holzgeld und sieben Kubikmeter weiches Holz, das er sich vom Lagerplatz in Hütteldorf holen musste. Nach dem Tod Andreas Bauers im Jahre 1800 wurde Franz Hagen als Lehrer angestellt, 1814 folgte ihm Kaspar Kraft. Nach dessen Tod im Jahr 1822 bewarben sich 150 Lehrer um die Stelle, ein Beweis für die große Arbeitslosigkeit unter den Lehrer. Johann Kratzl wurde ausgewählt.
Zu diesem Zeitpunkt hatte die Pfarrschule schon ein eigenes Gebäude, das nach 1790 in der jetzigen Oelweingasse 1 eingerichtet worden war. Nach dem Amtsantritt von Johann Kratzl erwies es sich als baufällig und vor allem als zu klein, da die Zahl der schulpflichtigen Kinder auf 1200 angestiegen war. Man entschloss sich, in der Oelweingasse 7 einen größeren Neubau zu errichten. Während der Bauarbeiten wurden die Schulklassen in gemieteten Privatwohnungen untergebracht. Die neue Schule wurde 1826 fertig.
Bis zur Revolution 1848 änderte sich am Schulsystem nichts. Seine Mängel erwiesen sich als immer drückender. Die sich entwickelnde Industrie benötigte Arbeitskräfte, die ordentlich lesen, schreiben und rechnen konnten, die also in der Grundschule für eine weitere Ausbildung zu Fachkräften vorbereitet wurden. Die erste Schule in unserem Bezirk, deren Niveau über die Trivialschule hinausreichte, war eine Privatschule im Haus Arnsteingasse 14 / Herklotzgasse 39. Sie bestand bis 1869 als öffentliche Bürgerschule.
Aufgrund der stark steigenden Kinderzahlen wurden auch Pfarrschulen in Sechshaus (1826 in der Pillergasse) und in Fünfhaus (1826 in einem Privathaus in der Turnergasse) eingerichtet. In der Chronik wird von der dringenden Bitte um Errichtung neuer Schulen berichtet.
Insgesamt gab es 1872 im Pfarrgebiet 6 Volksschulen mit 68 Lehrzimmern. 204 Religionsstunden waren zu halten. Bei 5 Kaplänen, die der Pfarre zur Verfügung standen, hätte jeder Kaplan wöchentlich 40 Religionsstunden erteilen müssen, was kaum möglich scheint. Wahrscheinlich wurden auch auswärtige Kräfte eingesetzt.
Die Pfarrschule in der Oelweingasse 7 wurde bis 1894 benützt. Dann übersiedelten die Mädchen in die Dadlergasse 9. 1898 wurde die Volksschule Ortnergasse 4 eröffnet. Von 1872-1877 waren auch die Schüler der Realschule im Volksschulgebäude Oelweingasse untergebracht, ehe sie ihr Gebäude am Henriettenplatz beziehen konnten.
Im Jahr 1914 gab es in den Bezirken Rudolfsheim und Fünfhaus 23 Volksschulen, 6 Bürgerschulen und 2 Höhere Schulen mit insgesamt fast 18 000 Schülern und Schülerinnen.
(Quellen: www.bezirksmuseum.at; „200 Jahre Reindorf“-Festbroschüre von Ing. Hans Schmidt)