Pfarre Reindorf
Inge Opitz ( - 2007) PDF Drucken E-Mail
 2007 hat uns Ingrid nach langer, schwerer Krankheit verlassen. Zum Gedenken an Ingrid hat die Pfarre Reindorf im Oktober 2010 eine Gemäldeausstellung mit dem Thema „Vor Freude zerspringen …" veranstaltet.

„Manchmal, nach persönlich schwierigen Zeiten, macht Gott mich so jung, fröhlich und übersprudelnd im Herzen, dass ich fast vor Freude zerspringen könnte." Das sagte Ingrid Opitz in einem Interview für das Pfarrblatt von Reindorf im 15. Wiener Gemeindebezirk. Die Freude am Leben war für diese große Künstlerin zugleich die Freude an ihrem Gott und an ihren Mitmenschen. Es war eine natürliche Freude, die sich in vielen Facetten ausdrückte: in der Malerei, in ihrem Engagement für die Pfarre, in ihrer tätigen Hingabe für behinderte junge Menschen.

Im Jahr 2003 hat sie die Geschichte Gottes mit den Menschen in der Kirche „Maria vom Siege" als eine Art geistliches Musical inszeniert. Der Titel war bezeichnend: „Die größte Liebesgeschichte aller Zeiten". Für sie war die Beziehung zu Gott keine Konstante sondern eine Geschichte – immer voll Bewegung, voller neuer Wendungen, und sie hat selbst ihre schwere Krankheit, die im Jahr 2007 zum Tod führte, ganz natürlich als einen Teil dieser Liebesgeschichte erlebt.

Es gehört zu den ganz großen Wundern, dass sie in einer Zeit, in der sie die Last einer schweren, schmerzhaften Krankheit zu tragen hatte, in ihrer Malerei einen neuen Schwung genommen hat und ein Spätwerk geschaffen hat, das geradezu badet in einer alles überstrahlenden Aufbruchsstimmung. Große Ölgemälde wären für sie in den letzten Jahren zu viel körperliche Anstrengung gewesen. So schuf sie drei Zyklen von kleinformatigen Temperabildern zum Hohelied, zur Passion und zur Offenbarung des Johannes. Es ist kein Ende, sondern ein Anfang in diesen Bildern. Gerade die mächtigen Bilder der Offenbarung, die so viel Angst und Schrecken vermitteln könnten, sind in den kleinen Bildern der Ingrid Opitz zu Bildern der Hoffnung geworden: „Siehe ich mache alles neu … einen neuen Himmel und eine neue Erde".

Die Pfarre Reindorf hat im Herbst 2010 eine Ausstellung mit Gemälden von Ingrid Opitz gestaltet, die mit frühen Werken beginnt, etwa mit zwei Bildern zur „Proleten-Passion" der Schmetterlinge, dem legendären politischen Oratorium aus den protestbewegten siebziger Jahren. (Die Schmetterlinge schrieben damals übrigens, dass sie mit diesem Werk „formale Umsetzungen der musikalischen Strukturen der Passionen von J.S. Bach versuchten.") Das Mitgefühl mit dem leidenden und (politisch) unterdrückten Menschen drückt sich in den Bildern der früheren Schaffensperioden direkt und mit Macht aus. In den Werken der mittleren und späteren Schaffensperioden ist dieses Mitgefühl nicht schwächer, aber diskreter. Und die Hoffnung wird immer stärker, die Farbe intensiv und strahlend, das meisterhafte Formgefühl souverän und leicht. Diese Bilder sind geschaffen, um zu wirken, um den Glauben, die Liebe und die Hoffnung in die Welt hineinzutragen.

Durch ihre Bilder ist Inge Opitz in unserer Pfarre aber auch in unseren Herzen stets präsent. Wir danken ihr für dieses wunderbare Vermächtnis!