Pfarre Reindorf
Aus dem Pfarrblatt – im Jänner 2016 PDF Drucken E-Mail
 Aus Ägypten habe ich dich gerufen!

Nur Gott selbst wusste, dass dieser Vers (Mt 2,15), welcher Jesu Rückkehr nach Nazareth prophetisch beschreibt, einmal wörtlich auf die Kirche Maria vom Siege am Gürtel zutreffen würde. Die meisten wissen es schon aus den Medien, dass Kardinal Schönborn kurz vor Weihnachten den Schenkungsvertrag für diese schöne, prachtvolle Kirche unterzeichnet hat. Sie gehört künftig den altorientalischen Kopten (zu deutsch: Ägyptern). Sich rufen zu lassen für einen persönlichen Auftrag ist typisch für Gottes Handeln: „Abraham! Brich auf und verlasse dein Vaterhaus ich werde dich reichlich segnen!“ (vgl. Gen 12.1-2). „Jakobus und Johannes, verlasst die Netze und Boote, ihr werdet von nun an Menschen fischen!“ (vgl. Mk 1,16-20). - Und jeder kennt die Situation bei der Fußball-EM: Das Match läuft, die Sportler schwitzen. Plötzlich hörst du: „Steh auf von der Ersatzbank! Wechsel! Jetzt darfst du Einsatz zeigen!“ Adrenalinschub! Alle Ressourcen sind mobilisiert. Klug mit den Kräften haushalten! Das ist jetzt deine Spielzeit!


1876 wurde die Pfarre Fünfhaus von  Reindorf abgetrennt. Weltpriester begannen mit dem Dienst bis zur Staffelübergabe an die Kalasantiner 1985. Sie gaben die Staffel 2013 weiter an die vinzentinischen Inder. Und nun (im Frühjahr 2016) wird die Staffel des Missionsauftrages Christi an die Ägypter weitergegeben. Alle haben geschwitzt, gekämpft, ihr Bestes gegeben. Allen ist der himmlische Siegeskranz verheißen! Allen sei Anerkennung ausgesprochen! Was werden die Ägypter einbringen? Ihre Liturgie ist eine der ursprünglichsten (altorientalisch). Ihre Mystiker und Eremiten sind die ältesten (Hl. Antonius). Ihre Theologen die größten (Origenes), ihre Bischöfe die leidenschaftlichsten (Athanasius). Eine der Superlative Ägyptens sind sicher auch die vielen Martyrer, gerade auch in unseren Tagen! Als die Überlegungen vor einem Jahr begannen, sagte mir der Kardinal, dass er mit positiven Auswirkungen auf die politischen Beziehungen zwischen Wien und Kairo rechne. - Für die Pfarre Reindorf bedeutet es, dass sich nach der Zusammenlegung der Katholiken das Territorium der Pfarre verdoppeln wird und somit auch ihre Gläubigenanzahl. Die betreffenden Taufen, Erstkommunion- und Firmvorbereitung, Trauungen, den Einsegnungsdienst und die Schulmessen z.B. wurden zum allergrößten Teil schon in den letzten Jahren sukzessive von P. Markus und P. Gottfried übernommen. Die Sakramentenpastoral in der Situation einer großen Bevölkerungsfluktuation bilden eine immense Herausforderung. Die Kopten selber werden vor allem für ihre Landsleute da sein und die Gottesdienste in Ihrer Landesprache halten. Es ist sogar geplant, dass Pfarrhaus und Kirche Bischofsitz werden! Ganz sicher werden sich viele koptische Christen und Familien um den Westbahnhof herum ansiedeln. In Wien und Umgebung leben derzeit über 9000 Kopten.
„Aus Ägypten habe ich dich gerufen!“  -

Wir wünschen allen, die auf diesen Ruf hören werden, Gottes reichen Segen bei ihrem Einsatz und dass sie hier Heimat finden mögen

                                                                                                                                         Euer Pater Peter