Pfarre Reindorf
Aus dem Pfarrblatt – im Dezember 2015 PDF Drucken E-Mail
 Das Weihnachtsgeheimnis

Wenn die Tage kürzer werden, die ersten Flocken fallen, tauchen auch die ersten Weihnachtsgedanken auf. Der Zauber alter Kindheitserinnerungen kann unvermittelt so präsent werden, dass man sich quasi mit der Zeitmaschine so zurückversetzt fühlt, dass man den Duft, die Bilder, den Klang, die Szenen dieser Tage nochmals erlebt.

Und selbst den Andersgläubigen und Ungläubigen kann es passieren, dass sie für einen Augenblick innehalten und sich wundern, ob sie wohl ein Engel gestreift hätte. Nein, natürlich nicht, es war nur ein angenehmes wundersames „Dejà-vu“! Wer mit der kirchlichen Liturgie lebt, darf seine ganze Weihnachtssehnsucht in das Singen der Adventslieder hineinlegen, mit Klingen der Glocken und vor allem mit den gewaltigen Rufen des großen Propheten verbinden:

„Tauet Himmel von oben und Wolken regnet den Gerechten! Nahe ist der Herr! Lasst uns Ihn anbeten! Komm Herr und zögere nicht!"

Denn ausbrechen wollen wir, ausgebrochen sind wir aus dem Alltagstreiben! Eine Straße durch unsre Wochen, Tage und Stunden ist für Dich angelegt! Gleich dem Späher schauen wir mit dem Fernglas aus nach Dir! Zur Rorate wollen wir, mit unsren Lichtern in der Hand, nach Dir rufen, ja, unsre Lieder für Dich singen!“ Und an den letzten sieben Tagen vor Deiner Ankunft wollen wir uns staunend in Dein Geheimnis vertiefen und die großen O-Antiphonen beten:
„O Weisheit! O Adonai! O Wurzel  Jesse! O Schlüssel Davids! O Aufgang! O Völkerkönig! Jerusalem Freue dich und frohlocke, denn dein Bräutigam kommt bald zu dir!“ Und am letzten Tag schließlich: „Heute sollt ihr wissen, dass der Herr kommt und morgen werdet ihr schauen seine Herrlichkeit!“  Wenn dann am Abend die Kerzen an den Bäumen brennen und die Gaben getauscht werden und glückliche Kinderaugen strahlen, drängt  sich dennoch in den Herzen vieler eine noch unerfüllte Sehnsucht auf, die das Geheimnis des wunderbaren Friedens dieser Nacht GANZ erfüllt sehen will. Ja, es ist uns schon der wunderbare Augenblick geschenkt, wo der Himmel die Erde berührt. - Mit Maria und Josef dürfen wir uns von Herzen freuen und die Worte der Engel vernehmen: „Herrlichkeit, Gloria sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, denen die guten Willens sind!“ (vgl. Luk 2,14). Aber eben noch inmitten der FINSTEREN NACHT wird uns der Friedenskönig geboren, inmitten von so vielen Menschen, die keinen Frieden kennen, ja das göttliche Licht nicht
begreifen, nicht annehmen wollen oder können. Und so fühlen wir in uns eine unerfüllte Sehnsucht, dass doch einfach ALLES LICHT werden möge! 

„Und das Licht strahlt eben in dieser Finsternis, doch die Finsternis hat es nicht ergreifen können!“ erklärt uns der Evangelist Johannes (Joh 1,5).Ja, es gibt Kinder der Finsternis in dieser Welt. Die Kinder der Finsternis kennen diesen tiefen Frieden des Herzens nicht. Die Botschaft vom Heiland muss zum Zeugnis gegen sie werden, an dem sie sich wundreiben, sich stoßen müssen, zum Stein, an dem sie zu zerschellen drohen, wenn sie sich dem Frieden nicht öffnen! (vgl. Luk 2,34) Das ist das andere, ernste und tiefe Geheimnis dieser Nacht. Es ist ein Mahnruf, ein Weckruf an Herodes samt seinen Schergen, damals wie heute! Das Licht des himmlischen Weihnachtsfriedens und die Finsternis des sündhaften Menschengeschlechtes bedingen auch heute einander. Doch wie kann sich jemand vor diesem wunderbaren Frieden, der diesem kleinen Kinde innewohnt, fürchten? Wer will diesem Frieden, der von den zarten, lieben Händen des kleinen Kindes ausströmt, Misstrauen entgegenbringen? Diese Hände werden einst Kranke heilen, ja Wunder vollbringen! - Lass uns nach Bethlehem gehen! Mit den Hirten! Mit den Weisen, mit all den Großen und Kleinen aller Zeiten und aller Erdteile! Und bei dem Kind verweilen und so Ruhe, Trost und Erquickung finden, der nicht von dieser Welt ist.

Das wünscht Euch von Herzen

                                                                                                                                         Euer Pater Peter